Nichts ist so beständig wie der Wandel

Noch vor kurzem konnte am Weißen Stein oberhalb von Dossenheim skigefahren werden – vorbei!

Vor Jahren war unser erster Wohnort hier in der Gegend Dossenheim, wo wir als junge Familie nach der Uni gelandet waren, um in Heidelberg die erste Anstellung anzunehmen. Gerne sind wir damals immer wieder den Weg hoch zum Weißen Stein gewandert. Entlang des Wegs kam man an einem freien Hang mitten im dichten Wald vorbei, auf dem ein Skilift stand und davon zeugte, was hier an Wintertagen bisweilen stattfand: Schneegaudi direkt vor der Haustür!

Unlängst kam ich beim Herumsuchen im Netz bei www.skiresort.de vorbei und sah, dass sich die Zeiten auch am Weißen Stein geändert hatten:

Wenig überraschend, aber dennoch ein wenig traurig. Wieviele Kinder mögen an diesem Hang, wenige Kilometer von ihrem Zuhause, ihre ersten Schwünge gemacht haben? Hatte nicht Deutschlands Skiass der 90er Jahre, Katja Seizinger, Weltmeisterin und Gesamtweltcupsiegerin, sogar am Katzenbuckel im Odenwald, der auch nur 77m höher ist als der Weiße Stein, den Grundstein für ihre spätere Weltkarriere gelegt? Auch vorbei: Skilift und Sprungschanze am Katzenbuckel gibt es ebenfalls nicht mehr.

Fotos von diesen früheren Zeiten finden sich beim Skiclub Dossenheim (www.skiclubdossenheim.com) und so viel anders als an den großen Pisten in den Alpen sieht es da auf manchen der alten Bilder auch nicht aus. Aber: Das ist Vergangenheit.

Verständlich, wenn manche den guten alten Zeiten nachtrauern. Gerade eben erst war der Weiße Stein Schauplatz einer Richtungsentscheidung, bei der es ebenfalls um Veränderung ging: Soll in dem Gebiet in Zukunft Windenergie gemacht werden? Intensiv wurde in Dossenheim und Schriesheim die Frage diskutiert und zum Gegenstand eines Bürgerentscheids gemacht. Die anstehenden Veränderungen durch ein Windenergieprojekt sehen viele mit Sorge. Aktuell wird gerade in Heidelberg und Neckargemünd ein weiterer Bürgerentscheid (https://www.neckargemuend.de/start/nah+am+buerger/2026+buergerentscheid+windkraft.html) vorbereitet, wieder um ein Windprojekt hier in unserem Wald, das Veränderung bringen würde. Aber die Veränderungen, die in den letzten Jahrzehnten auch direkt hier in unserer Gegend Einzug gehalten haben, sind sicher noch einschneidender.

Das kleine Wintersportgebiet am Weißen Stein hat sich nicht nur ein bisschen verändert. Es ist einfach verschwunden. Andere weitreichende Veränderungen stehen noch bevor: Bei einer Ortsbegehung bei einem anderen für Windenergienutzung geplanten Areal hier im Landkreis erklärte der anwesende Förster den Teilnehmern, die gefordert hatten, dass der Wald genauso bleiben solle, wie er jetzt ist, kurz und knapp „Wenn Sie in 20 Jahren hier durchspazieren, glauben Sie bloß nicht, dass der Wald dann noch so dastehen wird wie heute.“ Zu sehr setzten Hitze und Trockenheit dem Wald heute bereits zu und sein Berufsstand sei längst intensiv am Experimentieren, welche Baumarten in Zukunft wohl am ehesten hier bei uns gedeihen werden. „Schauen Sie sich die Wälder in den heißen Mittelmeerländern an, da gibt es auch Bäume, klar. Aber die sind eben oft nicht 50 – 60m hoch, sondern eher 20 – 30 m.“

Es wird kein Weg daran vorbeiführen, dass wir uns mit manchen Veränderungen abfinden, die unvermeidlich sind: Mit Schneehöhen im Winter, die keinen Wintersport mehr zulassen, mit Witterungsbedingungen, die den Umbau der Wälder erfordern. Und mit Veränderungen, die wir aktiv vorantreiben müssen, um schlimmeres zu verhindern, wie etwa dem dringend nötigen raschen Ausbau der Erneuerbaren Energien, auch hier bei uns.