Im Vorfeld des Bürgerentscheids in Heidelberg und Neckargemünd am 12. Juli bietet die Bürgerinitiative Odenwatt gemeinsam mit der Bürgerenergiegenossenschaft Starkenburg Exkursionen an: Wie verändert ein Windrad im Wald das Naherholungsgebiet? Welche Auswirkungen hat die Zuwegung? Wann kann ich das Windrad sehen und wie laut ist es?
Dieser Ausflug fand am Samstag, den 16.05. zum zweiten Mal statt. Weitere Termine folgen am 13.06. sowie am 27.06., jeweils um 15:00 Uhr.
Würde man ein Auto kaufen, ohne es je probegefahren zu sein, oder eine Hochzeit in einem Restaurant planen, ohne dort jemals gegessen zu haben? Eher nicht. Zur Windenergie jedoch haben viele eine Meinung, ohne eine solche Anlage jemals besichtigt zu haben.
Odenwatt hält das für keine gute Ausgangslage vor dem Bürgerentscheid und möchte daher möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit bieten, sich vor der Stimmabgabe zu informieren.

Zur Wanderung fanden sich ca. 30 Personen am Wanderparkplatz „Kreuzschlag“ oberhalb von Grein ein. In einer kurzen Einführung erläuterte Micha Jost, der als Vorstand der Bürgerenergiegenossenschaft Starkenburg die Führung leitete, dass der besichtigte Windpark in einem geschützten FFH-Gebiet (Natura 2000) steht. Anschließend stellte er einige technische Eckdaten des Windparks vor, bevor es entlang des Wanderweges in Richtung Windkraftanlage losging. Die BEG Starkenburg ist auch Teil des Konsortiums, das den Windpark am wenige Kilometer entfernten Lammerskopf plant.
Schon auf dem Weg wurde deutlich, wie effizient die Zuwegung gestaltet ist. Ein bereits vor dem Bau des Windparks vorhandener Forstweg wurde genutzt, um die Bauteile der Windräder anzuliefern. Anhand der Wegbreite war klar erkennbar, dass dafür keine großen Schneisen geschlagen werden mussten.

Unterwegs konnten die Teilnehmenden in Einzelgesprächen Fragen an Micha Jost stellen oder die Natur genießen. Außerdem suchten besonders die Kinder aktiv nach dem Windrad – das für den größten Teil des Weges schlicht nicht zu sehen war.
Nach etwa 20 Minuten Wanderung waren durch die Baumwipfel hindurch erste Bewegungen zu erkennen. Ungefähr 200 Meter vor dem Windrad hielt die Gruppe an, um zu hören, wie viel Lärm von der Anlage ausgeht. Alle hielten kurz inne und waren still. Mit der Bewegung der Flügel war ein leises Rauschen zu vernehmen – aber man war sich schnell einig: Jedes normale Gespräch ist deutlich lauter.

Zügig ging es dann weiter zur Windkraftanlage.
Dort folgte eine weitere Fragerunde, bei der Micha Jost interessante Fakten zur Anlage präsentierte. So ließ er etwa schätzen, wie tief das Fundament im Boden verankert ist – und blickte in erstaunte Gesichter, als er die tatsächliche Tiefe von nur 3,5 Metern nannte, die von den meisten deutlich überschätzt worden war.
Auch der Flächenverbrauch einer Windkraftanlage wurde thematisiert. Der Experte konnte hier Vergleiche ziehen, da die BEG Starkenburg neben Windenergie auch Freiflächen-Photovoltaik und ein Biogaskraftwerk betreibt, die deutlich mehr Fläche benötigen um einen ähnlichen Ertrag zu erzielen. Dennoch brauche es alle drei Technologien, da sie sich ergänzen: Im Herbst und Winter liefert Wind viel Strom, im Frühling und Sommer übernimmt die Sonne.
Angesprochen wurden auch die CO₂-Einsparungen von Windkraftanlagen, die ein Vielfaches einer vergleichbaren Waldfläche betragen – ein wichtiges Argument angesichts der Klimakrise.
Ein weiteres Thema waren gefährdete Tierarten, insbesondere Fledermäuse und verschiedene Vogelarten. Micha Jost erläuterte, dass bei der Planung und Begutachtung der konkreten Standorte die relevanten Arten berücksichtigt werden. So gibt es etwa automatische Abschaltvorrichtungen, die die Windräder zu den Flugzeiten der Fledermäuse stillstehen lassen. Die Einhaltung dieser Maßnahmen werde regelmäßig überprüft.
Auf die Frage nach dem Vergleich mit Windrädern in der Ebene erklärte Jost, dass der Wind im Vorland des Odenwalds deutlich schwächer ist und höhere Standorte deshalb klar im Vorteil sind.
Den besonderen Höhepunkt der Exkursion bildete schließlich die Möglichkeit, einen Blick ins Innere der Anlage zu werfen: Micha Jost öffnete die Tür des Turms, und die Teilnehmenden konnten die beeindruckende Dimension dieser technischen Anlage aus der Nähe erleben.

Nach einer abschließenden Fragerunde, in der auch das Thema Rückbau und die dafür verpflichtend angelegten Rücklagen seitens des Konsortiums besprochen wurden, trat die Gruppe den Rückweg an. Kurz vor dem Verlassen des Platzes vor dem Windrad – einer geschotterten Fläche von ca. 0,7 Hektar, die für Kranarbeiten bei möglichen Störungen benötigt wird, aber am Rand auch als Lagerplatz für Baumstämme dient – fiel der Blick noch auf etwas Ungewöhnliches.
Micha Jost machte die Gruppe auf eine Löschwasserentnahmestelle aufmerksam. Diese musste beim Bau der Anlage eingerichtet werden, um im unwahrscheinlichen Fall eines Brandes Löschwasser bereitzustellen. Besonders erfreut darüber ist die lokale Feuerwehr: Sie verfügt nun über eine Wasserquelle im Wald, die auch bei einem Waldbrand genutzt werden kann – eine Infrastruktur, die zuvor nicht vorhanden war und viele Teilnehmende überraschte.
Auf dem Rückweg wurden noch angeregte Gespräche geführt. Zurück am Parkplatz bedankte sich die Gruppe bei Micha Jost, und einige Wandernde packten noch ein kleines Picknick aus.
Wir empfehlen allen Interessierten die Teilnahme an den weiteren Terminen am 13.06. und 27.06., Treffpunkt ist jeweils um 15:00 Uhr am Wanderparkplatz „Kreuzschlag“. Um die Planung zu erleichtern, wird um eine kurze Rückmeldung an odenwatt@web.de gebeten.